So empfinden wir wenn Politiker hetzen - ein Kommentar zu:
„In der Unterschicht wird das Geld vom Staat versoffen“
Sehr geehrter Herr Buschkowsky,
geht es noch rüder, noch verletzender in geradezu dümmlich populistischer Weise?
Es gibt sicher eine kleine Minderheit unter den Eltern, die nicht hinreichend fürsorglich mit ihren Kindern umgeht. Doch hat ein Politiker dann nicht erst einmal zu fragen, ob das Folge jahrzehntelang produzierter Politik sein könnte? Nun ja, falls er denn ein hinreichendes Maß an Verantwortungsgefühl für die Menschen empfindet, die ihn per Wahl beauftragten, sie zu vertreten, in ihrem Sinne vernünftig zu handeln.
Sie sind schon dank Ihrer Ausbildung zu dieser Einsicht fähig, also darf Ihnen vorsätzlicher, medialer Missbrauch Ihrer Stellung unterstellt werden, dazu eine gehörige Portion Menschenverachtung.
Wenn Sie Familien der Unterschicht besonders solche mit Migrationshintergrund meinen, wäre dann nicht erst einmal zu fragen was z. B. Wirtschafts-, insbesondere Finanzkapitalismus unter handlangerischer Mithilfe der Politik gesellschaftlich anrichteten?
Oder unsere Integrationspolitik. Unterstellte man da jahrzehntelang faktisch nicht, dass es sich um so etwas wie Arbeitssklaven handelt, die man hernach wieder wegschicken kann? Eine ebenso dümmliche wie rücksichtslose Behandlung von Menschen durch die Politik!
Hat verantwortungsvolle Politik nicht die Verpflichtung, sich zu gemachten Fehlern zu bekennen, dann Konzepte zur Gesundung der Folgen zu entwickeln?
Ganz besonders in Berlin sollte man sich zudem auch an eine Stadtspitze erinnern, deren Politik geradezu aktivem Gaunertum gleichkam.
Nun denn, Herr Buschkowsky, da ist noch eine ganz andere Seite. Unsere politische Kaste ist ein halbes Jahrhundert lang nicht nur mit Einwanderern missbräuchlich umgegangen, sie hat gleichermaßen immer "Ausbeutung von Eltern zu Gunsten von Kinderlosen praktiziert", so das Fazit eines angehenden Kaufmanns im Politikunterricht, Kfm. Berufskolleg.
"Wir Kinder sind moralisch nur unseren Eltern im Alter zur Hilfe verpflichtet, nicht aber einem ohne Grund herunter gewirtschafteten Sozialstaat." Solchen Aussagen stimmt stets die ganze Klasse zu, in diesem Fall eine komplette Abiturientenklasse angehender Kaufleute.
Und Hunderttausende gehen jährlich, weil "dieser Sozialstaat für uns Junge eh nur noch die soziale Arschkarte bereit hält!" In diesem Fall das Fazit eines VWL-Studenten in einer Seminardiskussion über Demografie. Der Professor habe bejahend genickt, so mein Sohn - der hernach übrigens bereits in einem Nachbarland arbeitete, bevor ihm sein Hochschulzeugnis zugeschickt wurde. Unsere Nachbarländer locken halt mit guten Angeboten.
Also "nix-wie-weg" ergab eine Studie, nach der Demografie (= gleich Folge von der Politik betrogener Familien) mittlerweile zum Hauptmotiv für die Auswanderung junger Fachkräfte geworden ist.
Aber dazu werden sich Politiker wie Sie bestimmt auch wieder passende populistische Beschimpfungen einfallen lassen.
Also ruhig weiter so, Herr Buschkowsky. Wir Familien steckens am Ende locker weg!
Heinrich Oldenburg

